Unterhalb von Gaspra ragt das Kap Aj-Todor mit seinen drei steilen Ausläufern ins offene Meer hinaus. Bereits in der Antike war das Kap von Griechen und Tauriern bewohnt. Wie archäologische Grabungen beweisen, siedelten auch die Römer hier. Im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung errichteten sie eine Befestigungsanlage, die durch zwei Verteidigungslinien mit Türmen geschützt war. Rund um die Anlage erhielten verdiente Legionäre und Veteranen Land, auf dem sie sich niederließen. Wie lange sich die Römer an diesem Punkt der Südküste aufhielten, ist noch unklar. Knapp 700 Jahre später gründeten byzantinische Mönche auf dem mittleren Felsen ein kleines Kloster, von dem jedoch heute nichts mehr erhalten ist.
Nachdem die Krim von Russland annektiert worden war, ließ sich ein russischer General an diesem unzugänglichen Fleckchen auf dem mittleren der drei Ausläufer des Kaps Aj-Todor ein kleines Sommerhaus bauen. Als sich Jalta dann im 19. Jahrhundert zum beliebten Kurort entwickelte, erwarb eine betuchte Moskauer Dame das Anwesen. Sie ließ die Datscha des Generals abreißen und baute ihrerseits ein kleines Schlößchen auf den Felsen.
Noch einmal wechselte der Besitzer, als 1911 der in Baku ansässige deutsche Baron von Stengel der Moskauer Dame den Felsen samt Schloß abkaufte. Baron von Stengel hatte in Baku viel Öl aus der Erde und damit offensichtlich eine Menge Geld in seine Taschen gefördert. Für seine Geliebte ließ der Ölmagnat das Schloß komplett umbauen, und so entstand ein zierliches Märchenschloß-Schwalbennest im Stil gotischer Rheinburgen. Im Jahre 1974 verkaufte der Baron das Schwalbennest (Lastotschkino gnezdo), und der neue Besitzer eröffnete hier ein kleines Restaurant. Ein Erdbeben ließ 1927 das neo-gotische Gemäuer beinahe ins offene Meer stürzen, als Teile des Felsens abbrachen. Erst in den 1970er Jahren wurde das Schloß, das seit dem Erdbeben über den Fels hinausragt, mit Beton abgestützt.
Heute ist das Schwalbennest, das 40 Meter über dem Meer waghalsig am Felsen klebt, das Wahrzeichen der Südküste und der Krim überhaupt. Mit seinen zahlreichen kleinen Türmchen, Zinnen und Erkern wirkt es wie eine Miniaturausgabe von Schloß Neuschwanstein und will eigentlich nicht so recht an die Krimküste passen. Das Schlößchen ist ein vielbesuchtes Ziel von Ausflugsschiffen, die zahlreich am Kap Aj-Todor anlegen. Dies ist der schönste Anfahrtsweg, ansonsten fahren aber auch Busse und Sammeltaxis von Jalta aus hierhin. Über 120 Treppenstufen führen zu dem kleinen Märchentempel, in dem mittlerweile wieder ein Restaurant und ein Cafe mit italienischer Küche geöffnet haben. Beim Schwalbennest bieten auch zahlreiche Essens- und Getränkestände einen willkommenen Zeitvertreib bis zur Weiterreise.