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Jalta

In der Antike siedelten hier, wie überall an der Südküste der Halbinsel Krim, die Griechen. Ihnen folgten im Laufe der Jahrhunderte die verschiedensten Völker. Noch heute ist unklar, wann hier die erste Siedlung gegründet wurde. Der Legende nach riefen einst griechische Seefahrer, nachdem sie wochenlang über das Meer gefahren waren, freudig «Jalos, Jalos», was im Griechischen «Küste» bedeutet. Ausgrabungsfunde geben tatsächlich Aufschluss über eine griechische Stadt auf dem Gebiet des heutigen Jalta.

Jalta wurde erstmalig in arabischen Schriften aus dem 12. Jahrhundert unter dem Namen «Dschalita» erwähnt. Im 14. und 15. Jahrhundert kamen auch die Handel treibenden Genueser, die an anderen Orten der Südküste Stützpunkte unterhielten, nach Jalta und vermerkten auf ihren Karten den Ort unter dem Namen «Kalita». Von 1475 bis 1774 war der Küstenort Eigentum des osmanischen Sultans.

Seine Bedeutung als Seebad und Kurort erlangte Jalta erst lange nachdem Zarin Katharina II. 1783 die Krim annektiert hatte. Als die ersten russischen Truppen hierher kamen, fanden sie nur ein kleines Dorf mit 30 Häusern vor. Im 19. Jahrhundert schließlich vollzog sich durch russische Siedler ein rasantes Bevölkerungswachstum, und innerhalb kürzester Zeit stieg die Einwohnerzahl auf das Zehnfache an. Zar Nikolaj I. schenkte das Land an der Südküste dem Adel mit der Auflage, das unwegsame Gebiet zu erschließen und nutzbar zu machen. Der Imperator ließ den Ort 1837 am Tag nach der Einweihung der Kirche des heiligen St. Johannes Slatoust zur Stadt erklären und veranlasste den Bau einer Straße, die Jalta mit Simferopol im Norden verbinden sollte.

Binnen weniger Jahre entwickelte sich Jalta zum Verwaltungszentrum der gesamten Südküste. Adelspaläste, Villen und die ersten Hotels entstanden — kurz: Jalta erlebte seinen ersten Bauboom. Rasch wurde die Küstenstadt zum Refugium für Noblesse und wohlhabende Intelligenz. Die Namen zahlreicher berühmter Schriftsteller wie Anton Tschechow und Nikolaj Nekrasow sind mit dem Ort Jalta verbunden. Im nahegelegenen Liwadija ließ sich die Zarenfamilie eine der größten Sommerresidenzen bauen, und der in dem Dorf Massandra angebaute Wein errang bald weltweite Bedeutung.

Nach der Oktoberrevolution und der Machtergreifung durch die Bolschewisten erkannte auch Lenin die Bedeutung Jaltas als Kurort. Im Dezember 1920 unterzeichnete er das Dekret «Über die Nutzung der Krim für die Heilbehandlung der Werktätigen», an das noch heute ein Denkmal im ufernahen Gagarin-Park erinnert. Die einstigen Zarenpaläste und Villen der Adeligen wurden in Sanatorien umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen betonwütige Architekten Erholungsheime, Pensionate und Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Südküste um Jalta herum wurde nun ein einziges Erholungsheim für die «Massen der Werktätigen» aus der gesamten Sowjetunion. Im Sommer verdeckt das üppige Grün der Südküste einen Großteil dieser Sowjetarchitektur.

Der sowjetische Dichter Wladimir Majakowskij schrieb in seinem Gedicht «Krim»: «Die Menschen repariert man schnell in der riesigen Schmiede der Krim.» Heute ist Jalta auch für Pauschalreisende aus dem Westen die Anlaufstelle Nummer eins auf der Schwarzmeerhalbinsel. Vor allem russische und ukrainische Touristen, aber auch Kurgäste aus den anderen Nachfolgerepubliken der ehemaligen Sowhetunion verbringen ihren Urlaub in den über 140 Sanatorien, Erholungsheimen und Hotels der Südküste.

Jalta ist längst über sich hinausgewachsen. Im Jahr 2001 lebten 82 000 Menschen in Jalta. Nur wenig erinnert heute noch an die Atmosphäre, die wohl Ende des 19. Jahrhunderts über dem verträumten und stillen Ort gelegen haben muß. Sie läßt sich allenfalls noch in den Straßen abseits der Uferpromenade erahnen.

Die Uferpromenade zwischen dem Leninplatz und dem Hotel "Oreanda" ist nach wie vor Mittelpunkt des touristischen Teils der Stadt. Karikaturisten und fliegende Händler verdienen sich hier ein schnelles Geld, Karussells und Spielbuden verwandeln die Promenade in einen Jahrmarkt, und auf Schritt und Tritt kann man vom Hot-Dog-Stand bis zum Edel-Restaurant jede Form von Essensangeboten wahrnehmen. So klein der steinige Strand hier mitten in der Stadt auch sein mag, in der Hochsaison aalen sich dennoch tagsüber zahlreiche Sonnenhungrige auf den wenigen Metern neben dem Hafen. Abends beginnt dann der Wettlauf um einen freien Platz in den zahlreichen Cafes und Restaurants. Es gibt viele davon, und der naheliegendste Gedanke ist sicherlich, sich auf die Auswahl direkt an der Uferpromenade zu konzentrieren. Doch ziehen Sie sich ruhig auch ein wenig von dieser Flaniermeile zurück und erkunden Sie die Straßen im Inneren Jaltas, denn hier werden Sie viele kulinarisch lohnende Restaurants entdecken, die diejenigen am Wasser durchaus in die Tasche stecken können. Als Beispiel sei nur das Restaurant «Belaja akula» (Weißer Heifisch) in der ul. Sadowaja 5 genannt, das mit französischer Küche, zubereitet von einem Koch aus Frankreich, aufwarten kann.

Nicht weit vom ehemaligen Hotel «Rossija», in dem unter anderem der russische Dichter Nikolaj Nekrasow bis zu seinem Tod 1876 wohnte, befindet sich zwischen der Uferpromenade und der ul. Sadowaja die Talstation einer Seilbahn (Kanatnaja doroga). Von der Uferpromenade aus ist sie zu erreichen, indem man — aus der Stadt kommend — direkt vor dem Gebäude, auf das in größen Lettern «Casino Diana» geschrieben ist, rechts abbiegt; nach wenigen Metern ist dann linker Hand der Eingang beziehungsweise Einstieg. Mit der Seilbahn kann man in einer gut zehn Minuten dauernden Fahrt über eine Strecke von etwa 600 Metern auf den Darsan-Hügel gelangen. Auf dem Hügel standen früher, nur einige Meter von dem heruntergekommenen Denkmal zu Ehren der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, ein Restaurant und ein Hotel. Mittlerweile ist hier statt dessen ein «Akropolis-Nachbau» entstanden, der bereits als Filmkulisse gedient hat. Ein Restaurant und Cafe bieten kulinarische Untermalungen für den Blick über Jalta an. Abends werden hier oben über den Dächern der Stadt Discos veranstaltet. Übrigens ist der Blick während der Fahrt weitaus schöner als derjenige, den man, einmal oben ankommen, vom Darsan-Hügel aus hat. Denn auf dem Hügel selbst verstellen Bäume und Beton einen Teil des Blicks.

Auch wenn Jalta mittlerweile zu einem Seebad mit viel Beton avanciert ist, hat es sich durch seine vielen Grünanlagen, Parks und Alleen jenseits der Uferpromenade viel von seiner Schönheit erhalten. Wer sich dem touristischen Treiben der Uferpromenade entziehen will, findet zum Beispiel in der ul. Kirowa noch das schöne und beschauliche alte Jalta.

Nicht weit vom Hotel «Oreanda» entfernt beginnt der nach Jurij Gagarin benannte Uferpark. Diese Grünanlage wurde nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Zahlreiche Cafes, Sportplätze sowie ein Sommergarten für Kurgäste sind hier zu finden. Direkt am Eingang des Parks steht ein Denkmal zu Ehren von Maksim Gorkij, das hier 1956 aus Anlaß seines 20. Todestages aufgestellt wurde. Ganz in der Nähe erinnert ein Obelisk an Lenins Dekret «Über die Nutzung der Krim die Heilbehandlung der Werktätigen». Der Wortlaut des Erlasses ist in Goldbuchstaben in die Seiten eines marmornen Buches eingraviert. Durch den Park kann man in einer knappen Stunde die ehemalige Zarenresidenz von Livadija zu Fuß erreichen.

Jalta

Blick von den Bergen auf Jalta und das Schwarze Meer

An der Uferpromenade von Jalta

Kirche in Jalta.

Kirche in Jalta.

Jalta. Uferpromenade.

Jalta. Hotel Oreanda.

Jalta. Uferpromenade.

Jalta. Uferpromenade.

Jalta.Brunen.

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