In einem Tal neben der Straße Simferopol — Jalta liegt ungefähr 15 Kilometer nordöstlich von Jalta in einer Strandbucht der kleine Ort Hursuf. Hursuf wird eingerahmt vom Aju-Dag im Osten und der weniger gewaltigen Felsküste im Westen. Krimbewohner bezeichnen die Bucht als «Amphitheater von Hursuf». Hursuf markiert den östlichsten Punkt des Verwaltungsbezirks Groß-Jalta. Heute ist Hursuf einer der malerischsten Flecken der Südküste mit seinen verwinkelten Gassen, zugewachsenen Stiegen und ein- bis zweistöckigen Häusern in typischer Holzverkleidung.
Hursuf war ein früher Siedlungspunkt an der Südküste. Es liegen Funde aus Neolithikum und Bronzezeit sowie Grab- und Siedlungsreste aus der Zeit der Taurier vor. Im 6. Jahrhundert nach Christus wurde Hursuf erstmals schriftlich erwähnt. Am linken Ufer der Bucht sind an der Felswand Reste einer mittelalterlichen Festung zu erkennen, die auf Befehl des Byzantinischen Kaisers Justinian im 6. Jahrhundert errichtet wurde und seit dieser Zeit zu der kleinen belebten Stadt Hursuvity gehörte. Nach den Genuesern eroberten Ende des 15. Jahrhunderts schließlich die Türken die Festung.
Unmittelbar unterhalb der Festungsmauern errichteten Sowjetarchitekten einen farblosen Sanatoriumsbau. Ein kleiner Weg führt durch einen zu Beginn des Jahrhunderts angelegten Tunnel auf dem Gelände des Sanatoriums bis zum äußersten Ende des Puschkin-Felsens, auf dem noch Reste der Festung zu sehen sind. Von hier aus bietet sich ein schöner ungestörter Ausblick auf das Meer und den Aju-Dag. Der Existenz dieses Tunnels wird ein etwas kurioser Ursprung zugeschrieben: Reiche Kaufleute wollten demnach vom Tunnelende aus eine Seilbahn auf die beiden vorgelagerten Felsen — die Adalary — legen und dort ein bordellähnliches Etablissement schaffen. Dies sollte nur für ausgewählte Personen zugänglich sein und natürlich nur für Männer. Durch den Zweiten Weltkrieg mußte der Bau jedoch unterbrochen werden und wurde später nie zu Ende geführt.
Gen Norden erstreckt sich hinter der Bucht das Babugan-Gebirge mit dem Höchsten Berg der Krim, dem Roman-Kosch (1545 Meter). Vor der Bucht ragen zwei Felsen aus dem Meer: die Zwillinge (Adalary). Auch sie regten durch ihre Auffälligkeit Phantasie und Legendenbildung an. Es handelt sich um Reste eines vom Meer zerstörten Kalkmassivs. Den Adalary gegenüber befinden sich zwei vom Meer ausgespülte Grotten, die nur mit einem Boot zu erreichen sind: die Puschkin-Grotte und die Isumrudnyi-Grotte.
Am Ende des 15. Jahrhunderts war aus der Blühenden Stadt Hursuf ein kleines unbedeutendes Dorf geworden. Im 18. Jahrhundert, nach dem Anschluß der Krim an Russland, lebten hier nur einige Dutzend Familien von der Landwirtschaft. Alexander Puschkin kam 1820 für drei Wochen nach Hursuf. Das Haus, in dem er damals wohnte, erlangte so nachhaltig Berühmtheit. Heute ist in dem Gebäude das Puschkin-Museum untergebracht. Es liegt auf dem Gelände des nach dem Dichter benannten Sanatoriums «Puschkino». Am Ende des 19. Jahrhunderts war Hursuf zu einem der modernsten und teuersten Kurorte der Südküste geworden.
Im Jahre 1900 kaufte sich Anton Tschechow, zusätzlich zu seiner «Weißen Datscha» in Jalta, unterhalb des Puschkin-Felsen ein kleines Häuschen direkt am Wasser. Begeistert schrieb er nach seinem Kauf: «An diesem Meeresufer kann man tausend Jahre leben, ohne sich zu langweilen». Der Dichter begann in dieser Datscha seine Arbeit an den «Drei Schwestern». Nach Tschechow Tod ging die Datscha zunächst in den Besitz seiner Frau, der Schauspielerin Olga Leonardowna Knipper, über. Später wurde sie zu einer Filiale des Tschechow-Museum in Jalta. 1994 erinnerte vorübergehend nur eine Tafel am Gartentor an das stille Eckchen des russischen Dichters — Gerüchte sprachen davon, das Haus sei ohne Rücksicht auf Kulturgut abgerissen worden, um einer weiteren Baustelle für neureiche «Bisnemeny» Platz zu machen. Diese Version erwies sich jedoch glücklicherweise als falsch — er war kleineswegs Kulturignoranz, sondern vielmehr Kulturliebe, die die Baustelle bedingt hatte. Das Gebäude war aufgrund seiner Baufälligkeit mehr oder weniger abbruchreif. Um das Kulturdenkmal nicht durch Tatenlosigkeit zu verlieren, wurde es von Grund auf renoviert und ist seit 1995 wieder für Besucher geöffnet.