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Feodosija

Der 71 073 Einwohner (im Jahr 2009) zählende beliebte Kurort Feodossija ist das industrielle und kulturelle Zentrum der Südostküste. Im Vergleich zur Südküste fallen hier die ruhige Atmosphäre und die helle und freundliche Bebauung auf — Sanatoriumsklötze gibt es kaum. Zu Sowjetzeiten lagen der Stadt besonders die Kinder am Herzen: Viele Sanatorien wurden ausschlißlich für Kinder und Jugendliche bebaut.

Als griechische Kolonialisten die Hafenstadt an der Südostküste im 6. Jahrhundert vor Christus gründeten, fühlen sie sich wie von überirdischen Mächten beschenkt: Feodossija, «die von Gott Gegebene», tauften sie die Bucht. Ohne dabei den Zorn der Götter zu fürchten, richteten sie sogleich einen großen Sklavenhandel ein. Der Hafen eignete sich vorzüglich zum Handel vom Mittelmeer bis nach Asien. Weizen, Leder, Fell, Honig, Wachs, Fisch, exotische Gewürze, Geschirr, Kunstwerke, Waffen, Farben, Stoffe und natürlich griechischer Wein wurden hier gehandelt. Stumme Zeugen der frühen Blüte Feodossijas sind Münzen, die in der Stadt geprägt wurden und die einen Eindruck vom Reichtum der «Gottgegebenen» vermitteln. Sie sind im Heimatmuseum ausgestellt.

In den folgenden Jahrhunderten wuchs Feodossija so schnell, daß es bald zu einem ernsthaften Konkurrenten von Pantikapej wurde, dem heutigen Kertsch, damals Hauptstadt des Bosporanischen Reiches. Diesen aufstrebenden Nebenbuhler in der Nachbarschaft konnten die Bewohner von Pantikapej nicht lange dulden. Als sich Feodossija dem Bosporanischen Reich nicht freiwillig anschloß, sondern auf seiner Selbständigkeit beharrte, wurde es von Pantikapej 380 vor Christus gewaltsam in Besitz genommen.

Obwohl Feodossija seine Unabhängigkeit verloren hatte, blieb es ein mächtiger Handelshafen des Schwarzen Meeres. Die Akropolis, das befestigte griechische Stadtzentrum, entstand auf dem Karantina-Hügel am südlichen Rand der heutigen Stadt. Feodossija wurde ein Stützpunkt an der Grenze zwiechen Bosporanischem Reich und dem von Tauriern besiedelten Berggebiet.

In den folgenden Jahrhunderten litt die Stadt unter ständig neuen Eroberern: Römer, Sarmaten, Alanen und Goten ließen sich hier nieder, Feodossija verlor an Bedeutung, im Jahre 370 wurde es von den Hunnen fast vollständig zerstört.

Erst Anfang des 13. Jahrhunderts kehrte Feodossija auf die Landkarte zurück, als die Genueser den Tataren, die mittlerweile Herrscher über große Teile der Halbinsel waren, die Stadt abkauften und sie zum Zentrum ihrer Schwarzmeer-Kolonien ausbauten. Genuesische Händler gründeten um 1270 eine Handelsniederlassung, die sie Caffa nannten. Durch Handel mit Waren und Sklaven blühte die Stadt wieder auf; wo heute kleine Feriengäste herumtoben, wurden früher Männer und Frauen auf einem der größten europäischen Sklavenmärkte verkauft.

Über zwei Jahrhunderte war die Stadt Verwaltungszentrum der genuesischen Kolonien, auch die Kriegsflotte lag im Hafen Caffas. Heute sind in der Stadt noch mehrere Türme aus genuesischer Zeit erhalten, und auf dem Karantina-Hügel sind Teile der 1342 erbauten Festungsmauern zu sehen. In ihrer Nähe befinden sich zudem armenische Kirchen aus dem 14. Jahrhundert.

Im Jahre 1475 eroberten die Türken Caffa und vertrieben die Genueser. Auch die neuen Herrscher hatten mit der Siedlung, die sie Kefe nannten, Großes vor: Sultan Magomed II. rief einen berühmten Baumeister aus Konstantinopel herbei, der auf dem größten Platz der Stadt eine Moschee und öffentliche Badehäuser errichten ließ. Das einstige «von Gott gegebene» Feodossija schien dem türkischen Sultan sehr ans Herz gewachsen zu sein, denn er nannte es «Kleines Istanbul». Die Stadt entwickelte sich in den drei Jahrhunderten, während derer die Türken blieben, zu einer bedeutenden Arbeits- und Handelsstätte.

Nach der Annexion der Krim durch Russland erhielt die Stadt durch Zarin Katharina II. ihren alten Namen Feodossija zurück. Ende des 18. Jahrhunderts war Feodossija nur eine kleine Stadt mit knapp über 3000 Einwohnern. Durch finanzielle Anreize wurden jedoch Neusiedler angelockt. Der Handel mit anderen Mittelmeerstaaten blühte wieder auf, Feodossija kam zu neuem Wohlstand. Durch den Hafen lief der Verkehr mit zahlreichen Städten des Mittelmeeres, zuerst hauptsächlich Viehhandel, im 19. Jahrhundert beherrschte der Getreideexport das Geschehen. Zeugen dieses wirtschaftlichen Aufschwungs sind große Steinhäuser wohlhabender Bürger, die heute noch in der ul. Tschapaeva und in der ul. Lenina zu sehen sind. Neben dem Handel erblühte auch die Industrie.

Durch die Vergrößerung des Hafens lief Feodossija 1895 Sevastopol den Rang als bedeutendster Handelshafen der Krim ab.

Der wirtschaftliche Aufschwung belebte auch die Kultur: 1811 feierte die Stadt die Eröffnung des ersten archäologischen Museums der Krim, des heutigen Heimatmuseums. Es befindet sich fast direkt am Meer, gegenüber der Gemäldegalerie in der ul. Galerejnaja.

Im Jahr 1880 gründete der Maler Ivan Konstantinovitasch Ajvazovskij Russlands erste lokale Gemäldegalerie. Er vermachte sie nach seinem Tod der Stadt. Heute würdigt in einem Teil der Galerie eine ständige Ausstellung das künstlerische Werk des Malers. Ausserdem sind in der Galerie Gemälde weiterer Krim-Maler ausgestellt. Die Galerie ist in Ajvazovskijs ehemaligem Wohnhaus untergebracht (das rot-weiße Eckhaus in der ul. Galerejnaja, dessen eine Seite zum Meer zeigt).

Zwei weitere Sehenswürdigkeiten erinnern an den Künstler: Im ufernahen Park steht der von Ajvazovskij selbst entworfene Brunnen (Fontan Ajvazovskogo). Und im Hof der alten armenischen Sarkis-Kirche aus dem 15. Jahrhundert befindet sich das Grab des Malers.

Bei den revolutionären Kämpfen 1917 und 1918 wirkte in Feodossija Dmitrij Iljitsch Ulijanov mit, ein Bruder Lenins. Er arbeitete von 1911 bis 1941 als Landessanitätsartz des Bezirks von Feodossija und verschaffte den örtlichen Revolutionären Kontakt zum fernen bolschewistischen Zentrum. Feodossija war nach Sevastopol die zweite Stadt auf der Krim, in der die Sowjets die Macht übernahmen.

Ab 1924 entwickelte sich Feodossija zu einem Kurort insbesondere für Kinder, noch heute gibt es mehrere Kinder- und Jugendsanatorien in der Stadt.

An den russischen Schriftsteller Aleksandr Stepanovitsch Grin, der von 1924 bis 1929 in der Stadt lebte, erinnert heute ein Museum in seinem damaligen Wohnhaus: das «Musej romantiki» (Museum der Romantik) oder auch «Dom-Skazka» (Märchenhaus). Das liebevoll eingerichtete Museum versetzt den Besucher durch Karten, Illustrationen und nachgebildete Gegenstände in Grins Phantasiewelt «Grinlandija». Obwohl Grin nicht zu den bekanntesten russischen Schriftstellern gehört, ist das kleine Museum auch für diejenigen, die seine Werke nicht kennen, einen Besuch wert.

Die genuesische Festung Feodossijas auf dem Karantina-Hügel ist mit der Autobuslinie 1 zu erreichen. Wenn man von der Haltestelle aus entlang der Festungsmauer Richtung Meer geht, kommt man zunächst an zwei Kirchen vorbei. Die erste (ohne Kuppel) ist ein armenisches Gotteshaus. Ursprünglich eine griechische Basilika, gehörte sie seit dem 15. Jahrhundert zur armenischen Gemeinde. Die zweite Kirche mit Kuppel direkt daneben ist orthodox. Nach ihrer Schließung in den 1930er Jahren wurde sie 1996 der Gemeinde zurückgegeben, heute finden dort wieder Gottesdienste statt.

Geht man an dieser zweiten Kirche vorbei weiter Richtung Meer und dann rechts am Ufer entlang, so führt der Weg zunächst an Bootshäusern vorbei, und schließlich öffnet sich der Blick aufs offene Meer. Hier bietet sich außer einem schönen Blick auch die Möglichkeit, eine kleine Bucht mehr oder weniger für sich allein zu finden.

Von der ehemaligen Stadtbefestigung ist außerdem ein Turm im städtischen Park erhalten, der Konstantin-Turm (Baschnja Konstantina, 15. Jahrhundert). Er verbirgt ein kleines Kuriosum aus jüngerer Vergangenheit: Auf einer Metallplatte steht, daß anläßlich der 2500-Jahr-Feiern der Stadt Feodossija im Jahr 1971 eben hinter jener Platte eine Kapsel eingemauert worden sei mit einem Text, der sich an die Arbeiter der Stadt im Jahr 2017 richtet. Man darf also schon gespannt sein, was draufsteht.

Der Turm von Giovanni di Skaffa aus dem Jahre 1342, auch Runder Turm genannt (Kruglaja Baschnja), steht an der Ecke ul. Krupskoj und ui. Rabotschaja.

Die Kirche der Erzengel Gabriel und Michael von 1403 in der ul. Timirjazeva ist ein Denkmal armenischer Architektur, ebenso der armenische Brunnen (1586) an der Ecke ul. Scheljabova und per. Ajvazovskogo. Die armenische Sarkis-Kirche (14. Jahrhundert) und ihr gegenüber das Grab Ajvasovskijs befinden sich an der Ecke ul. Timirjazeva und ul. Lenina.

Als Beispiel türkischer Architektur sei noch die Moschee des Mufti-Dschami aus dem Jahr 1623 gennant, die seit einigen Jahren restauriert wird. Sie befindet sich in der ul. Karaimskaja.

Die Ausstellung des Heimatmuseums in der ul. Galerejnaja behandelt sowohl die weit zurückliegende als auch die jüngere Vergangenheit - die erste Etage ist überwiegend dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. Außerdem sind Abteilungen zu Geographie und Industrie der Südostküste eingerichtet.

An den Bahngleisen entlang ein Stück in Richtung Osten erreicht man linker Hand bald einen Park mit vielen schattigen Plätzen.

Feodosija

Feodosija

Einfahrt nach Feodosija

Feodosija

Feodosija

Feodosija, Kirche der heiligen Katarina

Fedosija, Park

Feodosija, Kapelle

Feodosija, Festung Kafa

Feodosija, Tempel aller Heiligen

Feodosija, Moschee Mufti Dschami

Feodosija, Restaurant Arkadija

Feodosija, Hafen

Feodosija

Feodosija, Katze

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