Etwa 15 Kilometer südwestlich von Sewastopol liegt die Bucht von Balaklawa. Der kleine Ort mit seiner sehr tiefen Bucht, die durch Berge vom offenen Meer geschützt liegt, unterlag als U-Boot-Stützpunkt zu Sowjetzeiten der höchsten Geheimhaltung und war selbst für Krimbewohner unzugänglich. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine wurde die Sperre des äußerst grünen Städtchens aufgehoben, obwohl noch einige Jahre lang ein U-Boot der ukrainischen Flotte in der Bucht vor Anker lag. Heute ist auch dieses Relikt sowjetischen Marinestolzes aus Balaclava verschwunden, das Städtchen ist vollkommen entmilitarisiert.
Während ausländische Touristen kaum hierher finden, gilt der kleine Ort mit seiner phantastischen Badebucht, die nur mit einem kleinen Schiff zu erreichen ist, als Geheimtip unter den einheimischen Touristen. Gerade wer dem geschäftigen Treiben in Sewastopol eine Zeitlang entfliehen will, finden in Balaklawa ein paar ruhige Augenblicke. Zudem ist bereits die Fahrt von Sevastopol durch die sanften, mit Reben bewachsenen Hügel äußerst lohnenswert.
Ebenso wie in Chersones siedelten in Balaklawa die Griechen, ihnen folgten später die Römer. Leider sind keine Zeugnisse aus jener Zeit mehr zu finden. Allerdings soll Balaklawa schon in Homers Odyssee Erwähnung gefunden haben, und zwar als enge Bucht, in der es nie Sturm gebe.
Bedeutung erlangte die Bucht erst wieder im 15. Jahrhundert, als sich die Genueser dort niederließen und die Festung Tschembalo errichteten. Die Festung auf dem Hügel zwischen Bucht und offenem Meer, von der nur noch Reste erhalten sind, war einst einer der wichtigsten Stützpunkte der Genueser auf der Krim.
Unter den Türken, die auch diese Festung im 15. Jahrhundert einnahmen, erhielt der Ort den Namen Balyk-Lawe (Fischnest). Beim Anschluß der Krim an Russland 1783 lebte niemand mehr in Balaklawa. Zarin Katharina II. ordnete die Ansiedlung von sogenannten Archipel-Griechen an. Bis ins 19. Jahrhundert stand hier ein griechisches Bataillon in Diensten der Zaren. Auch die Griechen von Balaklawa wurden während des Zweiten Weltkrieges von Stalin deportiert.
Im Krimkrieg (1853-1856) legten die Engländer an dieser Stelle ihren wichtigsten Stützpunkt an und verlegten das erste Schienennetz, um den Nachschub an die Front zu sichern. Englische Architekten bebauten auch die Uferpromenade und nannten den Ort "Klein-London". Später avancierte Balaklawa zum Kurort, und russische Adelige ließen sich hier Villen bauen.
An der ul. Rubcova 41, etwas oberhalb des Ortskerns an der Bucht, erhebt sich die Kirche der Heiligen Zwölf Apostel, erbaut im 14. Jahrhundert und letztmals restauriert Anfang der 1990er Jahre. Es handelt sich dabei um eine Podvor'e, eine Art Außenstelle, des St.-Clemens-Klosters von Inkerman. Der Gottesdienst wird von Mönchen aus Inkerman zelebriert, einer von ihnen wohnt permanent in Balaklawa.
Ein Besuch Balaklawas lohnt sich heute vor allem auch wegen der auf der Krim wohl einzigartigen Vegetation: Entlang der Südküste erstreckt sich ein Naturschutzgebiet mit dichten Tannenwäldern, die den Berghang bis direkt an das Meer bewachsen.
Ein Fährboot legt im Hafen von Balaklawa ab und bringt Badegäste und Naturfreunde zu einem Badestrand, der direkt neben dem Naturschutzgebiet liegt.
Von Sewastopol kommt man problemlos nach Inkerman. Vom Zentralmarkt fährt der Bus 94, außerdem kann man von dort mit dem Bus 12 und der Marschrutka 12 bis zur Haltestelle «5.Km» (Pjatyj Kilometr) fahren, von dort fährt der Bus 9 nach Balaklawa.
Vom Bahnhof kommt man mit dem Bus 20 und der Marschrutka 17 zum «5. Km».
Sehenswert ist des Museum der Kriegsmarine (Voenno-Morskoj Musejnyj Kompleks), geöffnet tgl. von 10-17 Uhr. Während der etwa einstündigen Führung (in Gruppen von mehreren Personen) schließt man Bekanntschaft mit einem der geheimsten U-Boot-Häfen der Sowjetunion am Schwarzen Meer. In den unterirdischen Kammern im Felsgestein hätten die U-Boote Explosionen mit der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe überstanden.