Auf halbem Weg von Aluschta nach Jalta fällt der Blick auf einen gewaltigen, weit ins Meer ragenden Berg — den 570 Meter hohen Aju-Dag. Aufgrund seiner Größe dient er als Orientierungspunkt an der Südküste.
Der bewaldete, sagenumwobene Berg Aju-Dag (Bärenberg) gleicht einem liegenden Bären, der die Schnauze ins Wasser streckt. Vom Aussichtspunkt, den man durch einen schmalen Felstunnel erreicht, kann man ein herrliches Küstenpanorama genießen.
Nach einer Legende wurde einst eine wunderschöne Prinzessin nach einem Schiffsbruch an Land getrieben. Bären fanden das Mädchen und zogen es in ihrer Gemeinschaft auf. Eines Tages erschien ein junger Mann an der Küste und verliebte sich in die Bärenprinzessin. Die beiden versuchten, heimlich übers Wasser zu fliehen. Doch ihr Floß wurde entdeckt, und einer der zotteligen Waldbewohner versuchte sie aufzuhalten, indem er begann, das Meer auszutrinken. Die Prinzessin sang jedoch so schön, dass die Klänge das Bärenherz erweichten, und vor Wehmut versteinert blieb das Tier am Ufer liegen.
Weitere Legenden ranken sich um die zwei aus dem Wasser ragenden Adalary oder «Zwillingsfelsen», angeblich zwei Brüder, die der über ihren Eigenwillen erzürnte Fürst der Meere in Stein verwandelte.
Der etwa 150 Millionen Jahre alte Berg ist ein sogenannter misslungener Vulkan: Durch eine Bruchstelle in der Erdkruste drang an der Stelle des heutigen Aju-Dag Magma hervor, doch die Kraft reichte nicht aus, um an die Oberfläche zu gelangen. Sie erkaltete unter dem Schichtgestein, wobei sich die eigentümliche Kuppel formte. Im Laufe von Jahrmillionen kam Magmagestein unter dem ausgehöhlten Sediment zum Vorschein und bildete weitere Kuppeln. Aufgrund seiner Vielfalt an seltenen Mineralien wird der Aju-Dag auch als «natürliches mineralogisches Museum» bezeichnet.
Der obere Teil dieses etwa drei Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Berges ist mit für die Südkrim typischen Baum- und Buscharten bewachsen, unter anderem mit Kiefer, Eiche, Ahorn, Wacholder und wilder Pistazie. Die Hänge des Bärenberges hingegen sind mit Geröll aus Sandstein, Muschelkalkstein, dichtem Lehm und Erdschollen bedeckt.
Mittelalterliche Überreste auf dem Aju-Dag und in seiner naher Umgebung zeugen von der Bedeutung dieses zentralen Punktes an der Südküste. So hinterließen beispielweise die Genueser auf dem kleinen Berg nahe Partenit, auch «Kleiner Bär» genannt, ihre Spuren in Form von Turmresten. Die Genueser sahen selbst wurden Reste mittelalterlicher Verteidigungsanlagen entdeckt - die größte Siedlung befand sich auf der Südseite.
Der Aju-Dag ist seit 1974 Naturschutzgebiet und daher nur auf organisierten Touren zu erkunden.
Der Aufstieg beginnt auf dem Gelände des Sanatoriums «Krim» an der Bushaltestelle Partenit (letzter Ort von Groß-Jalta). Der Eingang zum Gelände des Sanatoriums liegt direkt hinter der Bushaltestelle. Die geführten Exkursionen auf den Berg beginnen täglich um 10 Uhr am Kino. Festes Schuhwerk und Sonnenschutz sind unabdingbar.
Auf dem Gelände des Sanatoriums befindet sich außerdem ein Delphinarium, in dem man mit den Delphinen baden und sich fotografieren lassen kann. Vorstellungen um 11.30 und 16 Uhr, an manchen Tagen auch um 22 Uhr, Mo. geschlossen.